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Jetzt verlassen wir die Straße
und laufen über endlose Geröllpisten am steilen Abhang entlang. Hier muss man absolut schwindelfrei sein,
sonst kommt man nicht weit. Ich bin wieder langsam, halte an um ein Foto zu
machen. Dabei bekomme ich einen Eindruck wie steil das hier ist. Es ist
besser langsam weiter zu gehen und sich auf den Weg zu konzentrieren. An
Laufen ist nicht zu denken, der Untergrund aus Geröll und der Abhang sind
eine Herausforderung die mir viel
abverlangt.
Der lange und schwierige Abstieg ist beendet, es geht wieder leicht
bergauf. Die Hitze ist nun unerträglich geworden. Als sei das nicht schon
hart genug, jagt man uns jetzt über eine Strecke mit abgeschnittenem Geäst.
Es sind übereinander liegende Tannen die etwa alle ein bis zwei Meter klein
geschnitten wurden. Ich fluche vor mich hin und trotte über die Äste.
Danach geht es auf einem Feldweg
weiter. Ich laufe wieder und überhole alle die, die mich bergab überholt
habe. Die Hitze ist so schlimm dass hier außer mir keiner mehr läuft. Die
meisten gehen und hoffen auf die nächste Verpflegungsstelle.
Dann ist sie erreicht,
Trinkblase auffüllen, Mütze nass machen und weiter geht es. Jetzt geht es
ständig steil bergauf und wieder steil berg hinunter. Die Hitze macht mir
mehr und mehr zu schaffen. Ich tue mich jetzt mit einem deutsch sprechenden
Franzosen zusammen und wir lenken uns gegenseitig ab.
Wir kommen an einen
wunderschönen Flusslauf entlang. Dort kühlen wir uns ab und folgen der
Strecke über eine kleine Brücke auf einer Teerstraße. In praller Sonne
schleppen wir uns bis zu einem Gehöft. Dort hält uns der Besitzer an und
redet mit meinem Französischen Partner während ich langsam weitergehe.
Wir sind falsch gelaufen, ich
kann es nicht begreifen und würde am liebsten meinen Rucksack auf den Boden
schmeißen und drauf springen. Aber es nützt ja nichts, wir gehen wieder
zurück bis zur letzten Banderole.
Wir sind falsch abgebogen, der
Weg geht geradewegs das Gebüsch hoch. Später erfahre ich dass wir nicht die
einzigen waren denen das passiert ist.
Die Wege jetzt sind zwar immer
wieder steil aber gut zu passieren. Dafür kämpfe ich mit der Hitze. Mein
Wasser ist 30°C heiß und ich bekomme es nicht mehr herunter. Ich schließe
mich nun einem Belgier an. Zu zweit leidet es sich besser. Irgendwann
verlieren wir uns aus den Augen und der Franzose ist wieder da. Das hilft,
die Strecke hier kennt keinen Schatten und führt immer wieder an Hängen mit
Weinreben entlang. Dann kommt eine Versorgungsstelle die kurzerhand wegen der
widrigen Bedingungen eingerichtet wurde. Hier gibt es Cola und Wasser. Bis
zur nächsten regulären Versorgungsstelle sind es nur 2 Kilometer.
Dort will ich das Wasser meiner
Trinkblase wechseln.
Als ich den Punkt erreiche gibt
es nur noch wenig Wasser. Alles ist aufgebraucht worden. Ein Helfer bittet
mich doch zu warten bis sie wieder welches bekommen würden.
Da ich aber nicht weiß wie lange
das dauert gehe ich weiter.
Der Weg führt abermals auf und
ab und ist weiter der Sonne zugewandt. Ich treffe wieder auf den Belgier der
jetzt sehr langsam unterwegs ist.
Irgendwann wird der Durst
unerträglich und ich nippe an dem Schlauch meines Trinkrucksackes. Das Wasser
scheint zu kochen. Dummerweise habe ich beim letzten auffüllen Buffer
hineingetan. Jetzt bekomme ich das Zeug nicht mehr herunter. Mir wird
schlecht, der Kreislauf macht mir zu schaffen. Deshalb beschließe ich eine
Pause einzulegen, mich hinzusetzen und langsam von dem warmen Wasser zu
trinken.
Doch ich finde hier keine
geeignete Stelle um mich nieder zu lassen. Der Weg ist links und rechts
zugewachsen und bietet keine Möglichkeit zum pausieren.
Dann finde ich einen Stein auf
den ich mich setzen kann, doch schon nach einer Minute bemerke ich, dass es
hier nur so von Ameisen wimmelt.
Also gehe ich weiter bis ich
Musik höre. Die Rettung, dass ist die Verpflegungsstelle bei Kilometer 73.
Ich habe nur noch wenige 100 Meter als ich mich dann doch übergeben muss.
Ich schleppe mich bis zur Verpflegungsstelle, dort setze ich mich
auf einen Stuhl und werde von den Helfern bedient. Nach wenigen Minuten geht
es mir wieder besser. Ich verweile hier zirka eine halbe Stunde und mache mich
wieder auf den Weg.
Mein Zeitpolster ist geschmolzen
aber meine Laune ist wieder deutlich besser. Jetzt geht es durch ein
Waldstück und die Bäume spenden Schatten. Die Zeit läuft gnadenlos weiter, es
kommt mir so vor als würde ich überhaupt nicht mehr vorankommen.
An der Verpflegungsstelle bei
Kilometer 80 wartet Sabine auf mich. Sie sitzt in einem Biergarten neben der
Strecke. Ich gehe zu ihr und lasse mich für einige Minuten nieder. Ich esse
Weißbrot und trinke Cola dazu.
Mein Zeitpolster ist jetzt auf
anderthalb Stunden zusammen geschrumpft. Am Check Point muss ich eine
Gepäckkontrolle über mich ergehen lassen. Sie wollen die Trillerpfeife, die
Überlebensdecke und die Regenjacke sehen.
Alles kein Problem und im
Prinzip ja auch richtig.
Danach so gegen 21:30 Uhr
verabschiede ich mich von Sabine, werfe meine Stirnlampe an und gehe auf die
letzten zwanzig Kilometer.
Nach etwa einer halben Stunde
überholt mich der Belgier wieder. Danach höre ich wie sich zwei auf Englisch
unterhalten.
Sie holen mich ein und ich komme
mit den beiden in Gespräch. Es sind Andre Hall und Fernando Verones, zwei Amerikaner die in Stuttgart leben. Andre
spricht hervorragend deutsch.
Wir schließen uns jetzt zusammen
und unterhalten uns über Gott und die Welt. Da ich überhaupt keine Ahnung
habe bei welchem Kilometer wir uns gerade befinden lasse ich die beiden
schätzen. Fernando glaubt es sei so etwa Kilometer 92.
Jetzt kommt ein steiler Anstieg,
es muss wohl der Anstieg zum Dentelles
sein, dem letzten Berg vor dem Ziel. Nach einer halben Stunde setze ich mich
kurz und beruhige meinen Puls. Ich lasse die Amerikaner ziehen.
Fünf Minuten später bin ich
wieder voll da. Noch vor dem Gipfel haben ich die
Amerikaner wieder eingeholt.
Jetzt laufe ich wieder mit Andre
und Fernando zusammen, wir erkennen eine Station. Andre fragt mich, ob das
das Ziel sein. Ich verneine, es ist die letzte Verpflegungsstelle bei
Kilometer 91
Ich höre von Fernando ein
lautes: „No, no, no“ Er kann es nicht glauben. Es ist aber so, anderthalb
Stunden nach seiner 92 Kilometer Schätzung
haben wir Kilometer 91 erreicht
Wir sind jetzt 21 Stunden
unterwegs und bewegen uns nun Richtung
Ziel. Die letzten Kilometer sind nicht mehr schwer und wir kommen nach
22 Stunden und 25 Minuten vor der Halle in Gigondas
an.
Der Zieleinlauf ist absolut unspektakulär.
Es sind nur eine Handvoll Läufer und eine weiter Handvoll Helfer vor Ort.
Unserer Stimmung tut das aber keinen Abbruch. Wir bekommen ein Finishershirt eine Medaille und die Urkunde.
Fazit
Ein toller Trailrun
der in Deutschland leider zu wenig bekannt ist. Die Organisation ist
perfekt und an Freundlichkeit kaum zu
überbieten. Einzige Manko, es gibt an keiner Verpflegungsstelle etwas warmes zu Essen. Eine Nudelsuppe oder eine Brühe haben mir
gefehlt.
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