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Bericht vom Zermatt-Marathon von Bernie Conradt
Schöner geht’s nimmer……
Willst du Trailrunning machen
gehe nach Frankreich, willst du Bergläufe machen gehe in die Schweiz.
Der Zermatt-Marathon ist ein weiterer Beweiß meiner These.
Nachdem ich nun schon viele Berg-Marathons gemacht habe will ich den Zermatt
Marathon in meine Sammlung auf nehmen.
Wir schreiben den 3 Juli 2009 und ich statte dem
“schönsten Berg der Welt“ einen Besuch ab. Schon lange hatte ich mir
vorgenommen nach Zermatt zu kommen und den Berg der Berge selbst in Augenschein
zu nehmen.
Nach einer sieben stündigen
Anreise erreichen wir das Mattertal und Zermatt.
Leider hüllt sich der Berg in Nebel und ich muss den Marathontag abwarten
bevor ich den 4400 Meter hohen Berg live zu Gesicht bekomme.
Am Samstag den 4 Juli ist es dann soweit, nach dem ich das
Hotel verlasse sehe ich das Matterhorn in seiner ganzen Schönheit. Eine
Beschreibung ist zwecklos, majestätisch und stolz ragt der Berg in den
Himmel. Ich bin kurz sprachlos und froh dass ich die beschwerliche Anreise
auf mich genommen habe.
Dann geht es von Zermatt mit dem Sonderzug zum Startort
St. Niklaus. Dort angekommen gilt es erstmal einige Lauffreunde zu begrüßen
und sich langsam an die Stecke zu begeben.
Am Start gebe ich den Kleiderbeutel für`s
Ziel ab. Alles ganz unkompliziert, genau wie die Anmeldung und die
Beschilderung.
Um 9:25 Uhr fällt der erste Startschuss und die Eilte
startet. Zehn Minuten später ist dann die Staffel dran und weiter zwei
Minuten später fällt der Startschuss für die Einzelläufer.
Ich laufe mit Thomas Schmidtkonz
im letzten drittel des Starterfeldes los.
Wir laufen über abgesperrte Straßen in dem Ort St. Niklaus
der knapp 2500 Einwohner hat. Es haben sich einige Zuschauer eingefunden die
uns großartig anfeuern. Außerdem sind eine Gruppe Alphornbläser am Rand.
Wir verlassen den Ort und laufen Tal aufwärts Richtung
Zermatt an der Bahnlinie entlang. Hier gibt es wieder eine erwähnenswerte
Einzigartigkeit die ich noch bei keinem Lauf erlebt habe.
Sind keine Zuschauer an der Strecke, fährt man sie einfach
hin. Ein Zug steht am Streckrand und durch die geöffneten Fenster werden wir
frenetisch angefeuert und fotografiert. Das ist so klasse dass ich fast eine
Gänsehaut bekomme.
Dann kommen wir an einem Stausee vorbei und laufen an die erste
Verpflegungsstelle. Wasser fassen und weiter geht es. Ich treffe jetzt
auf Renate Werz, sie läuft heute ihren 200.
Marathon.
Für mich ist das heute nur ein
Traininglauf für den Ultra Trail du Mont-Blanc Ende August. Meine Pulsuhr verrät mir einen
Puls von 129 Schlägen die Minute.
Ich erhöhe den Pulsschlag um 10 Schläge und ziehe weiter
Richtung Randa.
Dann erreichen wir das 1400 Meter hoch gelegene Randa. Auch hier herrscht gute Stimmung und wir kommen
über einen Teerweg nach Täsch, den letzten Ort der
mit dem Auto befahren werden darf. Wer weiter ins Tal will, muss das per Bahn
oder zu Fuß machen, ab hier endet der Autoverkehr, auch mein Auto steht hier
in einem der vielen Parkhäuser.
16 Kilometer sind absolviert und wir laufen aus Täsch heraus. Es geht bergauf durch einen Tunnel und dann
wird die Strecke anspruchsvoller.
Jetzt folgt ein schönes Trailstück,
genau nach meinem Geschmack. Es geht über der Bahnlinie entlang über Wurzeln
und Steine. Ein Stück ist sogar mit Seilen gesichert.
Dann kommt eine Kuppe, oben angekommen erschließt sich ein
Blick zu den Viertausendern. Es gibt in diesem Gebiet ganze 29 Stück davon.
Ich erkenne jetzt das Wahrzeichen der Schweiz, das Matterhorn in seiner
vollen Größe, nur die Spitze wird von Wolken verdeckt.
Wir laufen jetzt am Heliport vorbei zum Güterbahnhof. Dann
geht es direkt auf die Bahnhofstraße. Der Bahnhof ist auch Endpunkt des berühmten Glacier-Expresses.
Hier am Anfang von Zermatt ist ein Verpflegungspunkt an
dem ich mir viel Zeit lasse. Jetzt laufen wir die Bahnhofsstraße aufwärts
vorbei am Matterhornmuseum, dem Zermatterhof, dem Gemeindehaus und der
Kirche. Dann folgt eine Steigung die von alten Heuspeichern umrahmt ist. Dort
steht meine Frau Sabine die mir mein Lieblingsgetränk Cola reicht. Nach einem
plausch und reichlich Cola geht es weiter Richtung Ortsausgang.
Cola gab es bislang noch keines an den
Verpflegungspunkten. Das sollte sich
aber ab jetzt ändern. Die Verpflegung lässt keine Wünsche offen, es gibt
Cola, Tee, Bouillon, Wasser, Bananen, Riegel und Gels.
Jetzt laufen wir eine große Schleife und kommen auf der
anderen Seite wieder nach Zermatt. Ich sehe Renate Werz
und Eberhard Ostertag wie sie gerade die Schleife beginnen. Ich rufe ihnen zu
und tatsächlich hört Eberhard meine Rufe. Wir winken uns zu und weiter geht
es.
Die letzte Verpflegungsstelle vor der großen Steigung
folgt. Hier treffe ich Rudolf Mahlburg.
Wir plaudern ein wenig und ich ziehe langsam davon. Wir
sind nun auf 1600 Meter und haben Kilometer 29 erreicht. Jetzt wird es
knackig.
Ortsausgang geht es dann gleich steil den Berg hinauf.
Anfangs laufe ich noch, doch dann verfalle ich in einen schnellen
Marschierschritt. An laufen ist nicht mehr zu denken. Es ist zwar sehr
anstrengend, doch dafür entschädigt ein einzigartiger Blick über Zermatt,
umrahmt von schneebedeckten Bergen.
Ich werde jetzt verfolgt von Fliegen. Was die nur von mir
wollen, müffele ich denn so stark?
Zum Glück habe ich ein weißes Shirt
an, mein Nachbar hat es da noch schlimmer erwischt. Auf seinem blauen Shirt wimmelt es nur so von den “Bergfliegen“.
Nach dem wir bei sehr warmen Wetter gestartet sind, ist es
jetzt bewölkt und deutlich kühler geworden. Merkwürdigerweise fühle ich mich
jetzt schlapp und muss mich neu motivieren. Der Weg ist breit und angenehm zu
laufen, dass kann es also auch nicht sein.
Ich mache ein paar Fotos und fühle mich gleich besser.
Ich erreiche Sunnegga bei
Kilometer 32, dort pausiere ich erst einmal. Wir sind jetzt auf 2200 Metern.
Über schmale Wege geht es zum Leisee.
Diese Stück erinnert mich an den Ultra Trail du
Mont Blanc. Schaut man zurück erahnt man das jetzt
verhüllte Matterhorn. Seine Majestät hat sich vornehm in Wolken gehüllt.
Man sieht Ausläufer eines Gletschers und kann im Tal einen
Weiler erkennen. Die karge Landschaft mitten zwischen den Bergen lässt uns
Menschen klein und unwichtig erscheinen.
Wir erreichen das Hotel Grünsee bei Kilometer 36. Cola und
Wasser tanken und weiter geht es einen anspruchsvollen Weg über Steinpassagen
und kleine Gewässer. Hier ist zum letzten Mal höchste Konzentration angesagt.
Dann erreiche ich die Station Riffelalp bei km 39,7. Hier spielt eine Band Namens Wäsmali-Chatze Lozärn. Sie
laufen mit ihren Instrumenten hin und her und sorgen ordentlich für Stimmung.
Gute Stimmung braucht man hier auch, denn die letzten Kilometer haben es
wahrhaftig in sich.
Steil, steiler geht es neben der Zahnradbahn hinauf zum
Riffelberg. Hier ist an laufen nicht mehr zu denken. Pure Willenskraft treibt
die Akteure diese letzten knapp 400 Höhenmeter
hinauf. Zum Glück gibt es in der
Hälfte noch mal eine Wasserstelle die Wasserflaschen ausgibt.
Ich quäle mich hoch und höre den Dudelsackbläser der oben
auf der Kuppe steht. Das muss dass Ziel sein! Doch falsch gedacht, auf der
Kuppe angekommen erkenne ich das Ziel in etwa einem Kilometer Entfernung. Gut
vielleicht sind es auch nur 500 Meter, darüber lässt sich sicherlich
streiten. Auf jeden Fall gilt es noch eine Schleife zu absolvieren um dann
bergab ins Ziel zu laufen. Dann ist es auch schon soweit, ich laufe
freudestrahlend über die Ziellinie.
Meine Frau nimmt mich in Empfang und ich gönne mir erstmal
ein alkoholfreies Erdinger.
Geschafft, meine Uhr verrät mir einen Durchschnittspuls
von 138 und eine Endzeit von 6 Stunden und 15 Minuten.
Dann plaudere ich noch mit Normen Bücher und feuere
Eberhard Ostertag und Angelika Abel bei ihrem Zieleinlauf an.
Das Matterhorn hat sich jetzt in Wolken gehüllt, dennoch
war es ein perfekter Lauftag in einer traumhaften Bergwelt. Bestnote für die
Strecke, Organisation und die Verpflegung. Ich komme wieder keine Frage……

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